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 Europa anders machen Demonstration in Berlin

(Beitrag vom 21.06.2015 korrigiert am 14.03.2018)

Gedanken zur Demokratie, Grenzen, Gerechtigkeit und Solidarität

Was hat sich verändert in unserem Land?

Gestern, am 20.06.2015, hatte ich beschlossen, mich dieser relativ großen Demonstration „Europa anders machen“ (die Medien berichten kaum darüber) über attac in Berlin anzuschließen. Was trieb mich dazu, diesen nicht gerade kleinen Aufwand mit Fahrt nach Berlin und fast 24 Stunden auf den Beinen zu betreiben?

Seit Jahren sehe ich eine Entwicklung in unserem Land, die mir wirklich ernstlich Sorgen bereitet. Zusehens bemerke ich, daß auch die Politik dieses Europas gerade durch die Repräsentanten unseres Landes bestimmt wird und in diesem Sinn für mich kaum mehr zu ertragen ist. 

Ich frage mich, ist das wirklich mein Europa, so wie ich es mir und sehr wahrscheinlich auch die Gründungsväter vorgestellt hatten?

 NEIN ist es nicht.

  • Ich wünsche mir ein Europa, was offene Grenzen hat und das nicht nur für Waren und billig einzukaufende Dienstleistungen.
  • Ich wünsche mir ein Europa, in dem Frieden herrscht, in dem Kriegstreiber keine Chance mehr haben.
  • Ich wünsche mir ein Europa, in dem das Recht auf ein gutes Leben für jeden Menschen und auch für jedes Tier gilt.
  • Ich wünsche mir ein Europa, was wirklich demokratisch ist, in dem es wirklich Wahlmöglichkeiten gibt.
  • Auch wünsche ich mir ein Europa, was Zukunft hat, für unsere Kinder und nicht nur für Großkonzerne die z.B. über Fracking das letzte Gas oder Öl aus der Erde pressen bis alles verbraucht und die Erde nachhaltig geschädigt ist. 
  • Auch wünsche ich mir, wenn unsere Nachbarn in Schwierigkeiten geraten, daß dann den Menschen geholfen wird und nicht nur den Banken und Versicherungen.
  • Ich wünsche mir in meinem Europa, daß die Menschen mehr direkte Demokratie genießen dürfen. Ja,auch das sie Politiker sehr schnell zum Teufel jagen dürfen, wenn sie sich nicht mehr von ihnen vertreten fühlen.
Sind die Repräsentanten unseres Landes wirklich noch berechtigt, meine Meinung zu repräsentieren und in meinem Auftrag irgendetwas zu entscheiden?

Rechtlich haben sie leider die Legitimation dazu. Meinen Auftrag zu dem wie sie es machen, nicht mehr. Den haben sie verwirkt, weil sie sich oft nurnoch um sich selber oder bestenfalls um ihre Partei kümmern.
Sie beschneiden die Renten ihrer Bürger, oft bis zu einem nicht mehr existenzfähigen Minimum während sie im selben Satz ihre Diäten erhöhen.Ein nicht zu unterschätzender aber leider entscheidender Teil von ihnen gestaltet Gesetze und Regeln ausschließlich nach mächtigen Lobbyinteressen. Natürlich werden sie dafür entschädigt, mit gut bezahlten Vorträgen und womöglich hochdotierten Anschlussjobs die sie auf normalen Weg nie erreicht hätten.



Dieser lustige, freundliche Mann hat dies gestern in Berlin sehr deutlich zum Ausdruck gebracht:

Die Punkte die mir auch nicht gefallen



Zum letzten Mal war ich am 18.09.2010 in Berlin – Eine große Anti-Atom-Demo. Friedlich versteht sich natürlich.

Aus dieser Reise entstand ein Foto unseres Bundestags, symbolträchtig als das Haus des Volkes dargestellt, selbst der Polizist im Vordergrund stört in dieser Empfindung kaum.

Der Bundestag (Reichtstag) 2010

Symbolisch betrachtet steht der große, gläserne Haupteingang „Dem Deutschen Volke“ zu, wie es in einprägsamen Lettern drüber steht. Vor dem Bundestag eine große Wiese zum Ruhen und als Symbol der Verbundenheit – Hier gehören wir hin.

In diesem geschichtsträchtigen Bau rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann am 9. November 1918 von einem Fenster die Republik aus, im Plenarsaal tagten derweil die Berliner Arbeiter- und Soldatenräte bis wenig später in 1919 die Parlamentarier wieder einzogen. 

In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 wurde das Reichstagsgebäude durch einen Brandanschlag zerstört. So war der Beginn wie auch das  Ende der Weimarer Republik (der ersten demokratischen Staatsform für unser Land) eng mit dem Schicksal des Reichstagsgebäudes verknüpft - er steht womöglich auch als Symbol für den Zustand unseres Landes.



Als ich am 20.06.2015 gegen Mittag vor dem alten Reichstagsgebäude stand, zeigte sich mir der es gewohnt ist mit Symbolen umzugehen, ein vollkommen verändertes Bild – ich war wirklich nur noch entsetzt:

Das Volk wird ausgesperrt

Das Volk wird durch doppelte Zaunreihen augenscheinlich ausgesperrt. Der direkte Zugang über die große Treppe - nicht mehr möglich und das seit Jahren.

Der neue Zugang..............

Der Eingang für den Souveraen

..... hat den Charme eines ehemaligen DDR-Grenzübergangs.

Wie sagte meine Frau spontan, selbst kurz vor der Wende ausgereist, „Die Frau Merkel hat sich in der DDR offensichtlich sehr wohl gefühlt“.

So ist es - wenn ich das sehe meine ich, sie wird uns alte „Westbürger“, die in der alten, leider längst vergangenen Demokratie aufgewachsenen sind,  in diesem Sinn wohl nie verstehen - sonst hätte sie die Verunstaltung dieses prächtigen Bau des Volkes wohl nie zugelassen.

Und wovor haben die eigentlich Angst? Wie ein Freund schrieb:

"Da man inzwischen die Aufbegehrenden und die sich Empörenden nicht mehr alle ins Abseits drängen oder einsperren kann, gehen die Unholde lieber freiwillig selbst hinter Gitter".

Sofort kamen mir Gedanken an die Nacht im Februar 1933 auf. Ist auch unsere neue Republik gefährdet?  Werden wir durch den Anblick dieses Hauses im heutigen Zustand gewarnt, zeigt es uns Parallelen zur Wirklichkeit?

Ich finde JA!

Ganz symbolischen im Anblick der Gestaltung des Eingangs mit der Bezeichnung  „Dem Deutschen Volk“ ist es ersichtlich. Ja, es könnte uns das drohende Ende unserer Demokratie, die für das gesamte Volk und nicht nur mächtigen Lobbyinteressen aus Wirtschaft und Finanzen dient,  vor Augen führen. Rufen wir uns mit diesem, uns über mehr als ein Jahrhundert begleitenden Gebäude, was selbst Brände, Sprengungen und die beiden großen Kriege überstanden hat, das Ende der ersten Republik in das Gedächtnis zurück.

Was folgte daraus?
Der größte und vernichtenste Krieg der Menschheitsgeschichte. Ein perverses und menschenverachtendes Naziregime - da wurde schnell unterteilt in „Gute“ Menschen und „Schlechte“ Menschen.  Menschen, die überleben dürfen und Menschen, die geopfert werden müssen.

Ist das an Europas Grenzen wesentlich anders?

Spielen wir nicht auch in der Ukraine mit einer erneuten Kriegsgefahr indem wir Gut und Böse einteilen wie es uns gefällt, wie es eben passt?

Achso, und diese „faulen“ Griechen, die viel früher als wir in die Rente gehen, die sich mit Hilfe von Goldman Sachs und natürlich mit Wissen aller in den Euro geschmuggelt haben. Na gut, hier vergessen wir natürlich allzu gern das dieser EZB-Chef Mario Draghi, der die Griechen heute quält selbst Vice President bei Goldman Sachs war. Der berühmten Bank, der es offensichtlich sehr wichtig war, das Griechenland den Euro bekommt.

Auch unsere Frau Merkel und Herr Schäuble, beide sind sie dafür, daß weiter eingespart wird – beim griechischen Volk natürlich – denn die Deutsche Bank ist längst raus aus dem Risiko ihrer Staatsanleihen mit denen sie sehr gut verdient hat. Dafür haben die Beiden auch gesorgt.

Ich finde, daß es in Griechenland nicht mehr faule Menschen als es bei uns im Resteuropa in Wirtschaft, Banken, Bundestag und sogar im Parlament in Brüssel gibt.

Und die beiden Griechen, dieser Alexis Tsipras und sein Finanzminister Varoufakis - auch wenn das viele jetzt stört - sie gefallen mir, wie sie standhaft bleiben, sich für ihr Volk einsetzen obwohl sie praktisch von allen "Demokraten" der EU ausgegrenzt und wenn möglich lächerlich gemacht werden.

Ich finde, wir sollten uns viel mehr auf dieses legitimen Mittel der Demonstration besinnen, da ich denke, das heute wirkliche Demokratie kaum mehr an den Wahlurnen zu machen ist, was man allgemeinhin auch an der immer mehr schwindenden Wahlbeteiligung bemerken kann. Man stelle sich nur mal vor, nur 10% der Menschen aus unserem Land versammeln sich einmal ganz friedlich in Berlin um ihre Meinung kundzutun.




Diese Bilder machen mir ein wenig Mut und geben Hoffnung aus dem Volk:

Europa anders machen

Das symbolisiert genau die Punkte, die mir an der Politik unseres Landes und auch Europas fehlen.

Für ein Ende der Traurigkeit

Wie kann man den Wunsch zu dem was an Europas Grenzen gerade passiert, besser ausdrücken. Junge Leute sind das, die sich das wie wir hoffentlich alle wünschen, nur sie können es auch zum Ausdruck bringen.




Diese beiden Bilder sehen nun doch wirklich (rein symbolisch versteht sich) anders aus als dieses:

Der Zan vor dem Bundestag


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Ein Film hierzu auf YouTube hier