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 Warum wachen wir auch in der Flüchtlingskrise zu spät auf?

(Beitrag vom 06.09.2015 korrigiert am 22.10.2015)

Anstatt im Vorfeld etwas zu ändern, Aktionismus in letzter Minute.

Im Moment kursiert das Bild eines ertrunkenen Kindes von allen Seiten in Szene gesetzt durch die sozialen Netzwerke und Medien. Es ist sicherlich geeignet, die Menschen aufzurütteln. Ja damit kann keiner umgehen – Kinder die ertrinken und das auch noch vor unserer Haustür.

Die vielen Kinder, die auch ertrunken, deren Leichen aber am Grund des Meeres liegen geblieben sind, hat niemand die ganzen Jahre zur Kenntnis genommen. Waren ja auch nur Zahlen als Nebenzeilen der Tagesschau, von denen gab es keine Bilder von allen Seiten und aus allen möglichen Perspektiven und dazu auch noch in Farbe.



Hände auch in der Flüchtlingskrise in Unschuld baden
"Die Hände in Unschuld baden" - Mein verspäteter Beitrag zur Handschuhaktion „je suis charlie“

Auch diese Kinder, deren Körper von einer Rakete oder heimtückischen Drohne zerfetzt an einer Wand an den Resten eines Hauses in Afghanistan, oder irgendwo im Nahen Osten kleben. Die sieht man nicht mehr – ja meist werden sie noch nicht einmal mehr als Zahl in einer Randnotiz genannt.

Auch diese Kinder, die aus einem Dorf in Afrika entführt, die zu Sklaven oder Kindersoldaten gemacht werden. Von den tausenden von Kindern, die in Bergwerken nach seltenen Erden schürfen für die jährlich dringend notwendigen neuesten Modelle der Handys von uns oder unserer jugendlichen Kinder, ganz zu schweigen. Zu essen haben sie sonst nichts, weil wir ihre Meere leer fischen, unter ihnen das Grundwasser abpumpen, in Flaschen füllen und verkaufen wollen für das Geld was sie nicht haben. Was bleibt ihnen anderes übrig als ihre Heimat, in der sich nicht mehr leben lässt, einfach zu verlassen?

Eine Millionen Flüchtlinge werden dieses Jahr wohl kommen manche leise und heimlich, andere nicht, manche werden wieder ertrinken und andere werden es schaffen. Was machen wir, wir ereifern uns in Hilfeleistungen. Andere, ein zum Glück nur sehr geringer Teil, zündeln an Asylunterkünften und brüllen ihre Dummheit einfach heraus. Doch sind sie wirklich alle diese Menschen, die unserer Politiker mit "Pack" bezeichnen dürfen?
Was unterscheidet die von denen, die mit Waffen handeln oder diese Deals politisch vorbereiten? Oder von denen, die zu neuen Kriegen aufrufen? Die ganze Regionen allein für ihre Eigeninteressen ohne Rücksicht auf Verluste destabilisieren?

Was macht es aus, daß wir in unserem Land „refugees welcome“ rufen, dies auf Plakaten drucken und auch zig Webseiten hierzu erstellen? Es kommt mir schon vor wie ein Wettstreit der quasi über Nacht ausgerufen wird auch in den sozialen Netzwerken – schneller, besser, lauter. Wir brauchen sie diese Flüchtlinge, die Wirtschaft schreit nach ihnen auch unsere Rentensysteme wegen der demografischen Entwicklung – sagt man!

Das spricht sich herum auf der ganzen Welt – Nein, nicht nach Europa wollen sie „Germany“ rufen sie überall. Sie wollen nach Hause zu Mutti „Angela Merkel“ steht auf den Schildern denn sie hat sie gerufen mit ihren Selfies mit Flüchtlingen und ihren anderen populistischen Botschaften. Ist es das was der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán meinte, als er sagte: "Das Problem ist kein europäisches Problem. Das Problem ist ein deutsches Problem."?

Irgendwie erinnert mich das an die Aktionen auf den Anschlag auf Charlie Hebdo der Anfang des Jahres 12 Menschen das Leben kostete. Dutzende Staats- und Regierungschefs trafen sich und sollen den Trauermarsch in Paris angeführt haben. Sie marschierten Arm in Arm durch Paris, um ihre Solidarität mit den Opfern des Anschlags auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" zu zeigen. Auf den Bildern in allen Medien sieht man, wie die Staatslenker geschlossen nebeneinander laufen - und wie sie augenscheinlich als unmittelbarer Teil der mehr als eine Million Menschen in Paris gegen den Terror und für Pressefreiheit demonstrierten.

Doch die Bilder der Staats- und Regierungschefs täuschen. Aufgenommen wurden die Fotos nicht auf den Straßen und Plätzen, auf denen Hunderttausende demonstrierten, sondern in einer einsamen Nebenstraße. Gegen was sie angeblich demonstriert hatten, war mir nicht klar. Ging es ihnen um die Pressefreiheit oder war das Ziel ihres fiktiven Protestmarsches einfach der Terrorismus schlechthin? Oder war es für die dort in der Nebenstraße versammelten Spitzenpolitiker einfach nur opportun sich so darzustellen an der Spitze dieses stolzen französischen Volkes von der die Demokratie in Europa einst ausgegangen ist?

Auch diese merkwürdige Aktion mit weißen Handschuhen „je suis charlie“ zu sagen – Ich habe sie nie verstanden. Was sollte dies bedeuten, die Hände in weißen Handschuhen in allen möglichen Gesten? Mir drängte sich damals schon dieser Vergleich – „Hände in Unschuld baden“ auf.

Heute ist dieser Protest längst verraucht und der kalten Wirklichkeit gewichen. TTIP, TISA, Vorratsdatenspeicherung haben „je suis charlie“ längst abgelöst - ach ja und Herr Edward Snowden sitzt immer noch in Moskau.

Es kann doch nicht sein, daß wir nur reagieren, wenn der Tod an unsere Haustür klopft. Wir lieben es karitativ tätig zu werden, wir überbieten uns nahezu in Hilfsbereitschaft, aber da wo wir im Vorfeld etwas ändern könnten, reagieren wir nicht. Wir merken es noch nicht einmal.

Hat es damit zu tun, das man einen direkten Bezug zu den Flüchtlingen oder den Menschen an der Tafel herstellen kann, weil man ja das Ergebnis direkt sieht, wir uns direkt besser fühlen wenn wir etwas tun?

Während politische Aktionen die schon im Vorfeld verhindern könnten, daß Hilfe überhaupt notwendig wird, meist viel anstrengender und oft nicht so klar sind, man sich nicht nur Freunde macht und damit nicht sofort das dringend benötigte Serotonin ausgeschüttet wird.

Doch keine Sorge
, wer jetzt noch nicht hat, es wird sicher weiter gehen. Dies ist erst der Anfang und die Glückshormone reichen vorerst aus - für jeden, der sie braucht.

Man gewinnt langsam aber sicher den Eindruck, unser mediales bzw. virtuelles kollektives Gehirn hat einen Dachschaden und zwar einen wirklich mächtigen, womöglich sogar irreversiblen erlitten.


Diskussion hierzu auf FaceBook

Passend hierzu eine sehr gute Doku von Michael Lüders: Wer den Wind sät… Was westliche Politik im Orient anrichtet