Der Mensch, nur eine kosmische Eintagsfliege?

(Beitrag vom 20.05.2017)

In Atheistenkreisen wird der Mensch als kosmische Eintagsfliege dargestellt.

Doch ist der Mensch wirklich nur eine kosmische Eintagsfliege, der zwangsläufig bald auch wieder verschwinden wird?
Ja, ist er sicher, wenn er nicht umdenken will. Denn in dieser riesigen Zeit, die unser Universum und selbst unser Sonnensystem bereits existiert, sind wir tatsächlich nur einen Wimpernschlag lang vorhanden. Und wenn wir uns nicht ändern, wird er er wirklich nur wie eine Eintagsfliege aufgetreten sein. Doch wir haben es selbst in der Hand - Es gibt, so denke ich, sicherlich Lösungen.

Der Mensch ist eine Lebensform, die sich selbst erkannt hat, somit dürfte er sicherlich mit dieser Erkenntnis der Endlichkeit allen Lebens und damit seiner daraus resultierenden unbedeutenden Daseinsberechtigung erhebliche Probleme haben. Das kann nicht sein, wenn wir Sterben, kann daffensichtlich den Menschen ausmachen soll s einfach nicht das Ende sein. Es gehören Glaubenskonstruktionen her, die uns diese Gedanken ertragen helfen.

Die Religionen wurden geboren. Die unsterbliche Seele wird erfunden, ein Himmelreich und was es noch so alles braucht um glücklich zu sein.

In jeder der großen Religionen genießt die Seele und somit das was nach deren Vorstellungen den Menschen ausmacht Unsterblichkeit.
Ja, egal was passiert wir sind gerettet - Das ist die Botschaft. Brav sein, an den jeweiligen Gott glauben, nach den Geboten oder der Scharia zu leben, seine Kaste niemals in Frage zu stellen, reicht zumeist um sich den fiktiven Platz in der Ewigkeit zu sichern. Wollen wir das wirklich?
Ich finde die Vorstellung des ewigen Lebens in dieser Form einfach grauenhaft. Nur gelebt zu haben, und auf einmal weg zu sein, hat für mich irgendwie auch keinen Sinn. Wenn ich diese Erde nach einem hoffentlich schönen Leben für IMMER verlasse, möchte ich das in den Gedanken tun, auch etwas gegeben zu haben. Fußtapsen hinterlassen zu haben.

Eine Religion gibt der Seele eine besondere Bedeutung und zwar die Reinkarnation (Wiedergeburt).

Nach der buddhistischen Lehre ist jedes Lebewesen einem endlosen Kreislauf (Samsara) des Lebens aus Tod und Geburt, Werden und Vergehen unterworfen.

Das Ziel der Buddhisten ist es, durch ethisches Verhalten und Meditation, die Kultivierung der Tugenden (Fünf Silas) und die Entwicklung von Mitgefühl und Weisheit (Prajna) aus diesem Kreislauf herauszutreten.

Auf diesem Weg sollen Leid und Unvollkommenheit überwunden und durch Einsicht (Erwachen) der Zustand des Nirwana realisiert werden.
Ich denke, dass der Buddhismus eher eine Lebensphilosophie als eine Religion ist. Zumal der Buddhismus fast gänzlich auf Dogmen und vor allem auf Missionierung verzichtet.

Nun gibt es für mich persönlich aber noch eine andere Betrachtungsweise:

Die verschiedensten Religionen haben weit über 60 Generationen Zeit gehabt,die Menschheit zu einer ethischen Betrachtungsweise und Einstellung zu führen - Doch wenn wir uns heute in unserer Welt umsehen, können wir davon ausgehen, daß dieses Projekt wohl als gescheitert betrachtet werden kann.
Auch die Freimaurerei bemüht sich seit über 10 Generationen Licht in das Dunkel zu bringen.

Denkbar ist, daß die in den Mittelpunkt fast aller Glaubensrichtungen gestellte individualisierte Seele als unsterblicher Hoffnungsträger das eigentliche Problem darstellt. Durch die Konzentration auf das eigene Seelenheil besteht die Gefahr, daß sich der einzelne Mensch selbst inden Mittelpunkt alles Lebens stellt. Er merkt oft auch, daß das nicht richtig gelingt und stellt somit seinen Glauben und damit seinen Lebenssinn in Frage. Dies zeigt sich durch den ungeheuren Anstieg an psychologischen Erkrankungen und der Menschen, die sich in alle möglichen Richtungen auf eine neue Sinnsuche begeben was dann zwangsläufig auch zu einem enormen Anstieg der Kirchenaustritte führt.

Im Buddhismus wird im Gegensatz zu den meisten anderen Religionen allerdings nicht auf eine individualisierte Seele verwiesen sondern aufdie Wiedergeburt eines Bewusstseinsstroms was aber letztendlich an meinen Ausführungen nichts ändert.

Nicht schmäleren darf man allerdings auch das manchmal sehr große und ehrenwerte Engagement einzelner Menschen dieser Gemeinschaften - Nur bin ich mir sicher, die hätten zum größten Teil auch ohne diese Organisationen ihren Weg gemacht.

Ich bin mir sehr sicher, daß der überwiegende Teil der Menschheit eine positive Einstellung gegenüber der Natur und ihren Mitmenschen hat.Trotzdem hilft das grundsätzlich offensichtlich nicht weiter. Der Fehler liegt m.E am Nichtbegreifen des eigentlichen Sinns des Lebens. Wissen, Erfahrungen,Verstehen und sich daraus entwickelnde Achtung und Mitgefühl für alles Leben sind es, was wir brauchen und keinen Glauben oder was dem gleich kommt, Beschäftigung mit alten, meist kaum zu ergründenden Mysterien.

Glauben hat meist eine trennende Kraft. Da es eindringendes Bedürfnis des Menschen ist, nicht außerhalb der Gesellschaft zu stehen, benötigen wir eine möglichst einheitliche Ansicht von Ethik / Moral und eine einheitliche Vorstellung der Grundwerte für unsere Gesellschaft eben eine humanistische Grundeinstellung. Am Besten wäre sogar, wir würden gemeinsam antreten um einen evolutionären Humanismus(einem Humanismus, der in der Lage ist, sich weiter zu entwickeln) zu entwerfen - quasi als Arbeit an dem "Rauhen Stein".

Ich bin überzeugt, es ist an der Zeit, daß wir umdenken.

Wie bereits oben beschrieben, ist jedes Lebewesen nach der buddhistischen Lehre einem endlosen Kreislauf (Samsara) des Lebens aus Tod und Geburt,Werden und Vergehen unterworfen. Das oberste Ziel ist es, aus diesem ewigen Kreislauf auszubrechen.

Ich möchte dieser Betrachtungsweise, die etliche Glaubensmerkmale besitzt (Seele, Leben nach dem Tod und Wiedergeburt) einmal in eine, für einen denkenden Menschen möglicherweise über alle Glaubensrichtung zu akzeptierende,nennen wir es einmal weltlichere Richtung ohne religiöse Aspekte gegenüber stellen und dies ohne zu behaupten, dass die religiösen Ansichten falsch wären - denn in Richtung dieser religiösen Möglichkeiten glauben, oder besser hoffen wir nur - wir wissen es nicht.

Vielleicht gelingt es uns gemeinsam einmal mit dem Sinn des Lebens zu beschäftigen und dabei nur Themen heranzuziehen, von denen wir bereits heute wissen, dass sie höchstwahrscheinlich Realität sind.

Meines Erachtens ist das oberste Prinzip unseres Universums die Evolution. Sie baut im Wesentlichen auf Zeit, Zufall und schier unendliche Mengen/Größen  auf.

Die wahrscheinlich erste Stufe der Evolution ist die Stufe der Materie und der Energie. Über Gravitation und ungeheure Drücke im Inneren der Sterne sowie durch unvorstellbare Energien beim Zerbersten dieser Sonnen entstehen immer schwerere Elemente.

Aus diesen geht die zweite Stufe der Evolution hervor, die Evolution des Lebens in ihrer unbeschreiblichen Vielfalt. Der Drang nach Vermehrung, Überleben und Erfahrung sind die Kräfte dieser Evolutionsstufe die dann letztendlich auf unseren Planeten den Menschen, der dann die dritte Stufe der Evolution in Form der Evolution des Geistes, hervorgebracht hat.

Der Mensch ist in der Lage, die dritte Stufe der Evolution sogar aktiv zu steuern.  Er hat es selbst inder Hand, wie weit und in welcher Richtung sich das Leben auf unserem Planeten und vielleicht sogar darüber hinaus entwickeln wird. Selbst in den beiden anderen Stufen des Evolutionsprozesses hat er es bereits erstanden z.B. in Form von Genmanipulation oder Kernspaltung,einzugreifen.

Wie uns die Evolution zeigt, ist das Ziel des Lebens sich zu Vermehren, zu Überleben und Erfahrungen zu sammeln.Hierfür nimmt das Leben äußerste Anstrengungen auf sich. Die gemachten Erfahrungen werden sogar schon im Tierreich von den Eltern auf die Kinder übergeben. Für hochentwickelte Spezies, die sich auch die Fragen nach dem "Woher komme ich" und "Wohin gehe ich" stellen können sowie die Selbsterkenntnis besitzen, ist die Weitergabe dieser Erfahrungen nicht nur über die Gene und das Vorleben sondern auch über Schule und Einfluss über die Sprache auf das direkte Umfeld möglich. Erfahrungen, als mögliches Ergebnis einer Jahrmillionen währende Entwicklung des Lebens gepaart mit der Jahrmilliarden währenden Entwicklung der Materie und galaktischen Systeme, müssen erhalten werden um dem Leben für uns denkende Spezies einen Sinn zu geben.

Etwas spekulativ, aber es könnte so sein.
Dass sich unser Universum in etlichen Milliarden Jahren durch die Kraft der Gravitation wieder zusammen ziehen wird. Es wird zu einer Art Singularität verwandelt - Ein gigantisches schwarzes Loch, das sämtliche Materie in unvorstellbare Dichte packt. Ein Teil der Wissenschaft vermutet, dass auf der anderen Seite eines schwarzen Lochs ein weißes Loch existiert. Hier könnte dann, möglicherweise ein neues Paralleluniversum aus der Masse unseres heutigen Universums entstehen.Aber auch hier gilt, das bezieht sich nur auf die Massen oder Energien und nicht auf die Erfahrungen, die die Lebensformen des vergangenen Universums gemacht haben. Falls sich das Universum nicht zusammen zieht, sondern unendlich und immer schneller ausdehnt, stirbt es den Kältetod was auf das Gleiche herauskommen würde. Relativ sicher ist, unser Universum wird in ferner Zukunft unter gehen - So oder so.

Nicht mehr spekulativ sondern Realität.
Das Alter des Universums ist ca. 13,75 Milliarden Jahre, das Alter unseres Sonnensystems wird mit 4,57 Milliarden Jahren angegeben. Unsere Sonne,ein Stern der 2. Generation, ist aus einer Supernova entstanden und wird etwa noch 4 Milliarden Jahre existieren, davon allerdings "nur" noch 1 Milliarde Jahre bewohnbare Temperaturen für unseren Planetenliefern. Wenn uns nicht weit vorher, wie in der Vergangenheit mehrfach passiert, eine kosmische Katastrophe erreicht und das Leben auf diesem Planeten vernichtet (was mit Sicherheit angenommen werden kann), wird sich das Leben und alle Erfahrungen hieraus spätestens nach 4 Milliarden Jahren mit unserer Sonne, die sich dann in einen roten Riesenverwandeln wird, in Sternenstaub auflösen.

Die Sonne als roter Riese wird alle Planeten in sich aufnehmen und sich zu einem weißen Zwerg mit ungeheurer Dichte verwandeln. Mit etwas Glück gibt es eine neue Zündung (was eher Unwahrscheinlich ist, da zu wenig Masse) und aus diesem weißen Zwerg entsteht ein neues Sonnensystem. Falls hier die passenden Planeten mit neuem Leben entstehen, kann man von Wiedergeburt-Wiedergeburt aus Sternenstaub - sprechen. Das Leben hat eine neue Chance aber ohne die Erfahrungen, die schon vorher gemacht wurden.


Die Entstehung des Universums als Jahreskalender Dr.Michael Schmidt-Salomon


So ist es sicher sehr oft in unserem Universum geschehen und es geschieht immer wieder, bis zum Ende der Zeit. Alle, auch die schmerzlichsten Erfahrungen, müssen neu gemacht werden - für mich eine Verschwendung ohne Gleichen und nahezu ohne Sinn. Insofern hat Dr. Michael Schmidt-Salomon in seinem Video sicher Recht.

Aus diesem Rad der Wiedergeburt gehört es auszubrechen. Wir, die gesamte Menschheit, haben in der heutigen Zeit und hoffentlich auch in der Zukunft die Verantwortung für diesen wunderbaren Planeten und das Leben hierauf. Uns ist es bestimmt, dies zu erkennen und sofern es uns möglich ist, diesen Planeten mit Allem was dazu gehört vor kosmischen Katastrophen und teilweise auch uns selbst zu schützen.

Hier fängt mein Widerspruch zu Dr. Michael Schmidt-Salomon's Behauptung an.

Denn Nein, wir müssen für die Zukunft NICHT die kosmische Eintagsfliege bleiben, die wir sicherlich jetzt noch sind.
Wir haben es selbst in der Hand, was wir aus unserer Zukunft machen. Aber das heißt es zu erkennen, dafür müssen wir uns zu unseren Fähigkeiten bekennen und von alten Glaubensvorstellungen los sagen und hoffnungsvoll in eine von uns gestaltete Zukunft schauen.

So wie sich unsere Vorfahren aus den Savannen Afrikas unterwegs gemacht haben um diese Welt zu erobern, so sollten wir den Rüstungswahnsinn stoppen, die daraus gesparten Gelder und Ressourcen nutzen, um uns auf den Weg zur Erforschung des Weltraums machen.

Wir müssen dafür sorgen, dass das Leben und die hieraus gemachten Erfahrungen diesen Planeten verlassen können und sei es nur um der letzten, sicher unumstößlichen Katastrophe für unseren Planeten zu entkommen. So hat das Leben auf diesem Planeten seinen Sinn erreicht und ist aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt aus Sternenstaub ausgebrochen. Die Erfahrungen, die das Leben in Millionen von Jahren auf diesem Planeten gemacht hat, können weiter gegeben werden - sie sind nicht verschwendet.

Den modernen Menschen gibt es etwa seit 200.000 Jahren - gemessen am Alter unserer Erde und erst Recht des Universums - noch nicht einmal ein Wimpernschlag. Die Entwicklung des Menschen an Wissen und Technologie ist in den letzten 100 Jahren explosionsartig fortgeschritten. Oft aber und das scheint mir das größte Dilemma, konnten die ethische Entwicklung und der Wachstum an Weisheit nicht von diesem rasanten Fortschritt partizipieren.

Stellen wir uns einmal vor, die menschliche Spezies schafft es:

  • ..... ihre geistige Freiheit zu bewahren oder wieder zu erlangen
  • ..... in der ethischen Entwicklung aufzuholen
  • ..... diesen Planeten, die Natur und die Umwelt zu erhalten und zu schützen
  • ..... den Rüstungswahn und Kriege (zu oft auch Glaubenskriege) zu stoppen
  • ..... das Leben an sich an Stelle irgend eines Glaubens in den Mittelpunkt zu stellen
  • ..... sich unter Berücksichtigung der oben genannten Punkte für die nächsten, sagen wir mal nur
           2.000 Jahre, in ähnlicher Geschwindigkeit weiter zu entwickeln


uns, dem Leben und dieser Welt würden sich ungeahnte und heute noch nicht abzuschätzende Möglichkeiten eröffnen.

Wenn wir das Leben an sich als unsere zentrale Aufgabe begreifen, wenn wir die Möglichkeit zur Unendlichkeit im Leben verstehen, brauchen wir die Hoffnung auf ein spekulatives Leben nach dem Tod oder den Glauben an die Unendlichkeit der individualisierten Seele nicht mehr. Das Leben kann, wir erinnern uns an den Eingangssatz dieses Artikels, aus dem endlosen Kreislauf(Samsara) des Lebens aus Tod und Geburt, Werden und Vergehen ausbrechen.

Eigentlich (und da setzt mein Glaube an) sind diese Aufgaben zu bewältigen - Nur, wir müssen es wollen.




Ein kleines Filmchen hierzu


Nachtrag:
Zufallig bin ich heute 23.04.2013 auf folgenden Artikel von Stephen Hawking gestossen "Das Universum braucht keinen Gott". Sehr interessant ist der letzte Absatz:

Hawking beendete seinen Vortrag mit dem Aufruf, den Weltraum weiter zu erforschen: "Um der Zukunft der Menschheit willen müssen wir weiter inden Weltraum vordringen. Ich glaube nicht, dass wir weitere tausend Jahre überleben, wenn wir nicht unserem zerbrechlichen Planeten entkommen." Hawking tritt immer wieder dafür ein, dass die Zukunft der Menschheit nicht auf der Erde, sondern auf einem anderen Himmelskörper liegt.


Wie ich finde, liegt unsere Zukunft so lange es geht auf der Erde. Nur sollten wir dringend daran arbeiten, daß wir nicht wie geschrieben der Erde entkommen sondern möglichen finalen Katastrophen für die Erde damit wenigstens das Leben,was die Erde hervorgebracht hat, auf Dauer überleben kann.