Diese Website verwendet Cookies.

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Erklärung zum Datenschutz.

ZustimmenImpressumDatenschutz

Frank Walter Steinmeier-Man kann dieses Land nur mit gebrochenem Herzen lieben!

(Beitrag vom 09.05.2020)


Aus der Rede von Frank Walter Steinmeier am 8. Mai 2020 zum 75. Jahrestag des Endes der NS-Diktatur

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier mahnt mit diesen Worten, dass das wiedervereinigte Deutschland im Ringen mit der eigenen Verantwortung nie nachlassen dürfe. "Dieses Ringen, es bleibt bis heute. Es gibt kein Ende des Erinnerns. Es gibt keine Erlösung von unserer Geschichte."
Kriege auch immer im Namen der Kriche oder des Glaubens

Meine Zustimmung zur Liebe unseres Landes nur mit gebrochenem Herzen:


Tatsächlich, sehr selten habe ich diesem Mann zustimmen können. Es lag meist auch daran, dass ich bei seinen Reden reflexartig abgeschaltet habe, denn seine Reden, seine Sprache, seine Gestik und die Art der Artikulierung erinnerten mich immer an die Worte eines Bundespfarrers und nicht an die eines souveränen Staatsmanns, der in Wirklichkeit den Souverän (Sie und mich)  vertreten soll.

Das Problem mit meiner Zustimmung liegt daran, dass ich seine Argumente in diesem Kontext gar nicht nachvollziehen kann. Ja, es ist so, ich muss ihm sogar vehement widersprechen.

Ich selbst bin Anfang 1950 geboren und habe dieses Land geliebt, ich war glücklich, in diesem Land leben zu dürfen. Bis nach Anfang der 90'er Jahre!

Die Wiedervereinigung habe ich sehr begrüßt, nur die Entwicklung danach ist völlig anders gelaufen, als von mir erhofft oder gar erwartet. Politisch betrachtet lagen für mich die Probleme sicher nicht in der Wiedervereinigung, sondern in dem mit der Wiedervereinigung einhergehenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruch des Ostblocks. Nicht, dass ich dem Ostblock eine Träne nachgeweint hätte, aber dieser Zusammenbruch hatte massiven Einfluss auf die Entwicklung unserer Gesellschaft für die Zukunft und wirkt bis heute nach, wird sogar immer offensichtlicher.

Das neoliberale kapitalistische System, Mitte der 80’er Jahre durch Margaret Thatcher (GB), Ronald Reagan (USA) und Otto Graf Lambsdorff (BRD) aus der Wiege gerufen, hatte keine Konkurrenz mehr im Osten.
Es zeigte uns sehr schnell sein wahres Gesicht, diese Fratze, die ausschließlich durch Gier geprägt ist. Erste Anzeichen dafür haben unserere Mitbürger im Osten Deutschlands gesehen. Die Treuhand, die die zum Teil sicher sehr maroden Betriebe zu Pfennigbeträgen an Meistbietende oder Investoren mit guten Beziehungen, quasi ohne Gegenleistung oder Verantwortung, verscheuerte.

Die Treuhand, die Ackerflächen der seit Anfang der 50’er Jahre von der DDR nach dem Muster der ehemaligen Sowjetunion in Genossenschaften (LPG’s) zusammengefassten Betriebe in Volksbesitz, an Investoren verramschte.
Es ging alles sehr schnell und ehe man dies wirklich richtig bemerkte, war der Spuk auch schon vorbei.

Ok, den Menschen in der ehemaligen DDR und uns wurden blühende Landschaften versprochen. Wer hat die eigentlich finanziert? Wurden diese immensen Kosten durch das Verramschen des ehemaligen DDR-Volksvermögens zumindest teilweise gedeckelt? Nein, bezahlt haben wir Steuerzahler, unsere Kinder und unsere Alten durch massiven Abbau der Rentenkassen und der Sozialsysteme.

Da das alles nicht reichte, musste mehr Druck aufgebaut werden. Gerade die SPD, die "Sozialdemokraten" haben sich nach der Jahrtausendwende, natürlich ohne Wählerauftrag, gleich diesem Problem gewidmet.

Hartz4, die Agenda2010, Rentenkürzungen, Betrug an über 6 Millionen Direktversicherten und vieles mehr, wurde sehr schnell umgesetzt. Gerhard Schröder verkündete im Januar 2005 (Hartz IV war gerade geboren) auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos stolz "Wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt."
Mit Sozialstaat, wie ich ihn noch kenne, hat das sicher herzlich wenig zu tun.

Ja, das war die Zeit als mein Herz für die Liebe zu unserem Land, das Vertrauen in die Regierung und letztendlich der Glaube an die Demokratie gebrochen wurde und noch heute ist.

Ja, unter diesen Bedingungen kann ich Frank Walter Steinmeier durchaus zustimmen. Ich liebe dieses, Land, was leider schon längst nicht mehr unseres ist, nur noch mit gebrochenem Herzen!

Die Kehrseite der Medaille, die andere Sicht:

Frank Walter Steinmeier mahnt, dass das wiedervereinigte Deutschland im Ringen mit der eigenen Verantwortung nie nachlassen dürfe. "Dieses Ringen, es bleibt bis heute. Es gibt kein Ende des Erinnerns. Es gibt keine Erlösung von unserer Geschichte."

Hier stelle ich mir wirklich die Frage, was soll das?
Natürlich und unbestritten sind in der Nazizeit enorme Gräueltaten gegenüber den Juden, den Sintis, den Romas, den Andersdenkenden, den Widerständlern und vielen anderen Menschen verübt worden. Sie sind nicht wieder gut zu machen.

Hierfür ist allerdings KEINER der heute lebenden Menschen verantwortlich, auch kein Volk - weil es leider nicht rückabzuwickeln ist. Wir sind einzig und allein für unsere Gegenwart und teilweise auch für unsere Zukunft verantwortlich. Was wir können, wir und das gilt für die gesamte Menschheit und nicht nur für unser Volk, können und müssen aus der Geschichte, aus der Geschichte der Menschheit, lernen. Wir müssen dafür sorgen, dass sich so eine Dunkle Zeit nicht wiederholt. Fast jedes Volk auf dieser Welt hat sich nicht immer menschlich verhalten. Ähnliche Gräueltaten, vielleicht nicht ganz in diesem Ausmaß, traten überall auf. Ganze Völker wurden ausgerottet, versklavt, gequält und auch gefoltert.

Frank Walter Steinmeier, ein bekennender Mann der Kirche, schrieb seine Doktorarbeit unter dem Thema "Obdachlosigkeit und das Recht auf Wohnraum", was natürlich seine Kritiker durchaus verwundern, gar irritieren dürfte, denn er hatte unter Schröder maßgeblich an der Entwicklung der Agenda 2010 und der Hartz-IV-Gesetze mitgewirkt. Ich empfinde das als reinen Widerspruch.

Ja, und schauen wir uns einmal die Geschichte seiner Kirche an. Er ist wohl Protestant aber dieser Zweig ist ein Ableger der katholischen Kirche. Diese Kirche, die uns weit über 1000 Jahre Dunkle Zeit beschert hat. Hexenverfolgung, Scheiterhaufen, Folter und Enteignungen waren Zeichen dieser Zeit. Das Volk, oder besser die Schäfchen, wurden bewusst dumm gehalten. Gibt es da etwa wieder Parallelen zur heutigen Zeit?

Wissen vermitteln war nicht en vogue. Wissen, sofern dafür neben dem bedingungslosen Glauben überhaupt Platz war, wurden hinter dicken Klostermauern begrenzt.

Ablasshandel blühte überall auf der damals bekannten Welt um gestrandete Seelen zu retten. Die Kirchenkassen schwollen ohne Gegenleistung an und sind gefüllt bis heute. Das natürlich vollkommen unstrittig.
War der Ablasshandel etwa der Vorläufer der Leerverkäufe, die heute weltweit unsere Volkswirtschaften ruinieren und gegen die sich jeder "Volksvertreter" und erst Recht ein Bundespräsident stellen sollte?

So könnten wir ja auch einmal die Frage stellen, warum setzt sich dieser Präsident nicht einmal für die Auflösung des Staatskirchenvertrags, genannt auch Reichskonkordat, indem Hitler der katholischen Kirche viele Zugeständnisse im Gegenzug der Anerkennung gemacht hat, ein?

Immerhin ist das der letzte Faschistische Vertrag mit der Kirche auf dieser Erde. Die Kirche würde sicherlich nie auf die Idee kommen, den aus der Zeit Napoleons stammenden und durch die Nazis umgesetzten Gedanken auch nur ansatzweise in Frage zu stellen. Vielleicht gelingt das einmal dem Bundespräsidenten, auch schon allein wegen seiner Nähe zu den beiden Kirchen. Sofern er da Handlungsbedarf sieht.

Der Sinn hinter der kollektiven Schuldzuweisung über Generationen hinweg.

Ich habe oft darüber nachgedacht, warum mir eine Schuld zu den Naziverbrechen zugedacht wird. Meine Mutter war mit Ende der Nazidiktatur gerade mal 14 Jahre alt. Selbst sie trifft keine Schuld.

Was soll das jetzt?

Hält man diese Gedanken hoch, um uns folgsam zu halten? Um uns Verantwortung zuzuschustern, für die wir als Spätgeborene wirklich nichts können und wo wir uns bemühen können, soviel wir nur wollen, aber niemals eine Auflösung dafür finden werden?

Hat diese kollektive, ohne Erlösungsanspruch zugewiesene Schuldfrage nur diesen Sinn, damit wir es individuell oder gar im Kollektiv nicht mehr wagen, zu widersprechen oder andere Meinungen zu entwickeln?

Bei fast jeder Rede eines Politikers fehlt der Hinweis nicht, dass wir von Glück reden können, in so einer hervorragenden Demokratie leben zu dürfen. Selbst das mag ich bestreiten. Wir dürfen noch nicht einmal den Bundespräsidenten direkt wählen, obwohl es doch zu seinen Aufgaben gehört, die Politik und die Gesetzgebung zu überwachen.

Das Parlament und die Parteien haben sich längst verselbstständigt. Wir dürfen alle 4 Jahre eine Partei wählen, haben aber keinerlei Rechte auf die Einhaltung von Wahlversprechen zu drängen. Passt uns diese Politik nicht, müssen wir eben 4 Jahre warten und hoffen, dass sich etwas im Parteienbild ändert, was schon seit vielen Jahren nicht mehr der Fall ist.

Volksentscheide, wie in anderen modernen demokratischen Ländern üblich, werden uns nicht zugestanden. Vermutlich sind wir einfach zu dumm. Ganz anders als z.B. die Bankkaufleute, die in Gesundheitsfragen ein ganzes Land steuern können. Es gibt viel zu viele Ministerposten, die vollkommen Ausbildungs- und Erfahrungsfremd besetzt sind. In der freien Wirtschaft ist dies nicht möglich. Auch wird Versagen in der freien Wirtschaft meist direkt bestraft. In der Politik ist das nicht so, selbst bei Themen, die über Irrtum weit hinaus gehen und hinter denen Vorsatz zu vermuten ist. Man schaue Beispielsweise nur das Maut-Desaster oder die Berateraffären. Hier wird niemand zur Verantwortung gezogen, mit etwas Glück oder den notwendigen Beziehungen, wird man gar hochbefördert.