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 Willi Kiesow ehemaliger Schulleiter der Gustav Stresemann Realschule Duisburg-B

(Beitrag vom 07.04.2005 korrigiert am 22.03.2015)

 

Unser Schulleiter das unbekannte Wesen

aus der Festschrift "100 Jahre Mittel- und Realschule Duisburg Beeck" von 1997
ein Interview von Sabine Danz und Kerstin Neumager


Nach einer Rücksprache mit Herrn Kiesow erklärte dieser sich bereit, uns für die Schülerzeitung einige Fragen zu beantworten.
Hierzu lud er uns in sein als "BAR" getarntes Dienstzimmer ein.


  • Herr Kiesow! Wir Schüler wissen sehr wenig über Sie. Können Sie uns etwas über Ihren Lebenslauf erzählen?
    Ich will es versuchen. 1935 wurde ich in Meiderich geboren, besuchte dort das Max-Planck-Gymnasium und habe 1955 das Abitur bestanden. 1969 heiratete ich eine Lehrerin und wir haben einen Sohn und zwei Töchter. Unsere Wohnung ist in Duisburg-Rumeln.
             
  • In welchen Fächern unterrichten Sie an der Schule?
    Das müßt Ihr schon einmal raten!
         
  • Daß Sie Biologie unterrichten, wissen wir. Dazu kommen noch einige Arbeitsgemeinschaften. Aber beim zweiten Fach müssen wir raten:
    Mathematik, Physik, Chemie, Erdkunde, Geschichte oder Englisch?

    Mein zweites Fach ist Sport.
             
  • Wie? Dann können Sie ja so wie Herr Jawinski unterrichten!

    Das weiß ich allerdings nicht!
      
  • Können Sie uns etwas über Ihren beruflichen Werdegang erzählen?
              
    Nach dem Abitur habe ich 1957 an der Pädagogischen Akademie Kettwig mein Volksschullehrerexamen gemacht und danach an der Universität Köln Biologie und an der Sporthochschule Köln Sport studiert. 1961 beendete ich mein Studium mit dem Examen als Realschullehrer und als Diplom-Sportlehrer.
        

  • Wir können uns gar nicht vorstellen, daß Sie früher Sport getrieben haben!

    Was heißt hier "früher"?!

    Vor zwei Monaten habe ich die Übungen für das Goldene Sportabzeichen abgelegt. Seit 1951 bin ich Mitglied in der Leichtathletikabteilung des Meidericher Spielvereins. Zuerst war ich dort Mittelstreckler (800-m bis 1500-m), danach Zehnkämpfer und am Ende meiner aktiven sportlichen Tätigkeit Werfer (Kugelstoß, Diskus- und Hammerwurf). Nach der aktiven Zeit habe ich in der Leichtathletik verschiedene Funktionen übernommen. Als Dank gab es dafür die "Silberne Ehrennadel“ des MSV und die "Goldene Ehrennadel" des Leichtathlektikverbandes Niederrhein, des Westdeutschen und des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Meine schönsten Aufgaben waren in dieser Zeit die Betreuertätigkeit 1964 bei den Olympischen Spielen in Tokio und die Tätigkeit bei der Organisation und Durchführung der Olympischen Spiele 1972 in München.
        
  • Herr Kiesow! Wir können uns vorstellen, daß auch ein Schulleiter ein Hobby hat.
      
    Das ist richtig. Bei mir gibt es aber eine ganze Reihe von Interessensgebieten: Photographieren und Filmen, Schach, Amateurfunk, Astronomie, Keramik, Elektronik, Modellbau, Datenverarbeitung, Briefmarken, Münzen und Fossilien. Leider fehlt mir oft die Zeit dazu. Viele Anregungen dazu habe ich übrigens durch Schüler und durch die Tätigkeit im Schullandheim Hollerath erhalten.
        
  • Herr Kiesow! Warum sind Sie Schulleiter geworden?
             
    Ja, das weiß ich auch nicht mehr so genau. Ich weiß nur, daß ich mich um diesen Pasten heute nicht mehr bewerben würde. Aber das ist nun nicht mehr zu ändern. Nach meinem Examen bekam ich 1961 eine Planstelle an der Beecker Realschule und unterrichtete in den Fächern Sport, Biologie und Kunst. Nach dem Weggang des jetzigen Oberbürgermeisters der Stadt Duisburg, Herrn Josef Krings, der an unserer Schule Direktorstellvertreter war, bewarb ich mich - nachdem der damalige Direktor Hermann Schlebes mich angesprochen hatte - um diese Stelle und wurde 1971 Direktorstellvertreter an der Gustav-Stresemann-Schule. 1973 erlitt Herr Schlebes einen Herzinfarkt und das Kollegium bat mich einstimmig, mich um die Schulleiterstelle zu bewerben. Und so bin ich halt Schulleiter geworden.
        
  • Was gefällt Ihnen nicht an der Schule?

    Da könnte ich eine ganze Menge aufzählen. Als ich 1961 hier in Beeck als Lehrer anfing, hatte die Schule etwa 300 Schüler. Die Schule war überschaubar, man kannte alle Schüler mit Namen und hatte Zeit, sich um einzelne Schüler zu kümmern. Dies ist an unserer Schule unmöglich geworden. Die große Schülerzahl, der unübersichtliche Schulbau und die Anonymität gefallen mir überhaupt nicht. Die pädagogische Arbeit tritt leider hinter der Wissensvermittlung zurück. Daher bin ich immer sehr froh, wenn mich Klassen als Begleiter mit ins Schullandheim nehmen. Hier kann man noch intensiven Kontakt mit den Schülern bekommen. Übrigens, das Schullandheim Hollerath, das im kommenden Jahr 25 Jahre besteht, ist auch ein "Hobby" von mir. Über 40 Aufenthalte habe ich bisher mit Klassen dort gemacht. Es gäbe noch eine Reihe von Dingen (z. 13. die zahlreichen Sachbeschädigungen in der Schule, das. Verhalten der Schüler untereinander, die Verschmutzung der Klassen usw.), die mir nicht gefallen, aber das würde unser Gespräch sicherlich zu lange machen.
        
  • Herr Kiesow! Warum gibt es so viele Verbote an der Schule?

    Das ist mir neu, daß es an der Schule so viele Verbote gibt. Ich versuche Schule nach der allgemeinen Schulordnung und nach der Hausordnung (von Schülern, Eltern und Lehrern einstimmig angenommen) zu leiten. Da sich aber leider einige Schüler an diese Spielregeln nicht halten, bin ich auch nicht bereit, zusätzliche Vorhaben bzw. Veranstaltungen zu erlauben, (z. B. Disco oder Teeküche für Schüler. "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch heraus". Bevor nicht eine Sinneswandlung bei den Schülern eintritt, hin ich nicht bereit, zusätzliche Veranstaltungen zu erlauben. Dies sollte doch für alle Schüler einsichtig sein.

Vielen Dank für das Gespräch. Wir glauben, daß jetzt der Schulleiter nicht mehr so ganz das "unbekannte Wesen" ist.

 

PS.

Etliche Bilder aus den 60 er Jahren der Gustav-Stresemann Realschule sehen Sie hier